Senior Chefarzt vs Junior Chefazt

Senior Chefarzt versus Junior Chefarzt

Chefärzte in Deutschland zählen immer noch zu den „Halbgöttern in Weiß“.

Entsprechend oft finden sich Alphatiere in dieser Berufsgruppe wieder, die es gewohnt sind über ihren Bereich zu „herrschen“ und sich ein Alleinstellungsmerkmal zu erarbeiten. Die Interdisziplinäre Zusammenarbeit ist oft schwierig und die zusätzlichen finanziellen und verwaltungstechnischen Anforderungen an den Arzt, führen zu zusätzlichen Konfrontationen. Nicht nur zwischen Verwaltung und Ärzten, sondern auch innerhalb der Ärzteschaft.

An dieser Stelle möchte ich ein kleines Fallbeispiel aus meinem Arbeitsalltag als Coach und Mediatorin teilen:

Dr. S. ist Chefarzt einer neu etablierten chirurgischen Fachklinik  eines Lehrkrankenhauses mit über 1.000 Betten und 2.900 Mitarbeitern im norddeutschen Raum. Es ist seine erste Chefarztposition, die er mit Freude und hochmotiviert angetreten hat. Sein Auftrag und sein Ziel ist es, diese Fachklinik schnell und effizient ins Laufen zu bringen, und durch entsprechende Patientenzahlen auch seinen Ruf in der Region zu zementieren.

Innerhalb kürzester Zeit merkt er jedoch, dass ein Chefarztkollege, welcher schon viele Jahre im Klinikum tätig ist und nur ein paar Jahre vor der Rente steht, der bis  dato viele dieser Facheingriffe vorgenommen hat,  ihm Patienten streitig macht.  Obwohl es von der Klinikumsleitung eine klare Direktive bezüglich der Zuordnung gibt, hält sich dieser Chefarzt nicht  daran.

Chefärzte in Starker Konkurrenz zueinander

Es kommt  immer wieder zu erhitzten Diskussionen zwischen den beiden Chefärzten, die auch in den Chefarztrunden hoch emotional ausgetragen werden. Der weitaus ältere Orthopädische Kollege nutzt immer wieder die „fehlende Erfahrung“ des jungen Kollegen, um ihn auch in der Öffentlichkeit schlecht dastehen zu lassen.

Das Klima zwischen den beiden Abteilungen verhärtet sich und die untergeordneten Ärzte und das Pflegepersonal leiden zunehmend unter dem andauernden Konflikt. Patienten äußern ihr Unbehagen bezüglich der spürbaren Spannungen und die niedergelassenen Kollegen verringern ihre Überweisungen in die Klinik.

Loyalitätsprobleme bei den Mitarbeitern

Bei dem andauernden Konflikt werden auch die Oberärzte und Assistenzärzte, bedingt durch Loyalitätskonflikte, gezwungen Stellung zu beziehen. Es kommt zu Stellvertreterkonflikten.

Die  unterschiedlichen Zuständigkeiten und gegensätzlichen Chefarztanweisungen führen bei den Pflegekräften im Stationsalltag zunehmend zu Verunsicherungen und Frustrationen. Die Patientenversorgung wird dadurch erschwert.

Der durchaus hochqualifizierte junge Chefarzt überlegt seine Fähigkeiten an einer anderen Klinik gewinnbringend einzubringen. Das Konzept einer hausinternen Fachklinik für dieses chirurgische Spezialgebiet könnte somit insgesamt gefährdet  sein, und damit auch eine zusätzliche Einnahmequelle für das gesamte Klinikum. Ganz zu schweigen von der Imageschädigung im niedergelassenen Ärztebereich.

Die Geschäftsführung beschloss externe Hilfe, also meine Hilfe, in Anspruch zu nehmen. In diesem Bereich, für Kliniken, noch unüblich.

Als erfahrene Klinikmediatorin war ich in der Lage, die beiden Chefärzte wieder „an einen Tisch“ zu bringen, um die verfahrene Situation zu beleuchten, einzelne Standpunkte dazustellen und tragfähige Vereinbarungen zu treffen.

Beide Konfliktpartner stellten fest, dass ihre persönlichen Beweggründe für die jeweils starre Haltung in den vorangegangen Streitgesprächen gar nicht so weit auseinander lagen. Beide Parteien litten unter gewissen „Verlustängsten“ – Patienten, Image, Renommee. Als Einzelkämpfer, so wie es im Ärztealltag immer noch üblich ist, gab es für sie nur die „Kampfvariante“.

Durch die Auseinandersetzung mit den gegenseitigen Bedürfnissen und Zwängen,  war eine Annäherung möglich und die konstruktive Auseinandersetzung mit der Aufteilung der vorhandenen Ressourcen (Patientengut, Ärztliches Personal, Betten etc.). Letztendlich wurde durch die Mediation ein konstruktives „Miteinander und Nebeneinander“ im Klinikalltag gewährleistet.

Ihr Klinik Coach Heike M. Cobaugh

 

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