Frauen brauchen oft Mut um erfolgreich zu sein_Klinikkonflikte_Klinik Coach_Ärztecoach_Heike Cobaugh

Frauen brauchen oft Mut um erfolgreich zu sein

Vor einigen Jahren dachte man, eine Frauenquote in großen deutschen Unternehmen wäre eine gute Idee. Generell kann man aber feststellen, dass selbst mit Quote sich wenig in den Führungsetagen getan hat. Zum einen liegt das sicherlich daran, dass viele Männer immer noch nicht davon überzeugt sind, dass Frauen die richtige Besetzung sind. Zum anderen liegt es aber sicherlich auch daran, dass es nicht allzu viele Frauen gibt, die derartige Verantwortung wollen, noch anstreben. Und das wiederum liegt daran, dass viele, trotz beachtlichem Erfolg, immer noch an Selbstzweifel leiden. Dass eine gehobene Position nicht unbedingt ihr Selbstbewusstsein steigen lässt, sondern oftmals eher das Gegenteil. Ganz im Gegensatz zu Männern. Was ist da los?

Das Impostor-Syndrom

Auch Hochstapler-Syndrom genannt, ist ein psychologisches Phänomen, bei dem die betroffene Person (Frau oder Mann) unfähig ist, ihre Erfolge zu internalisieren. Obwohl es objektive Beweise für die Fähigkeiten und Erfolge dieser Person gibt, ist sie selbst davon überzeugt, dass sie sich ihren Erfolg erschlichen und diesen nicht verdient hat. Die von anderen als Erfolge angesehenen Leistungen, werden mit Glück, Zufall oder mit der Überschätzung der eigenen Fähigkeiten durch andere gesehen.

Immer die Angst entdeckt zu werden

Kennen Sie diese Gedanken? Fällt es Ihnen schwer, Ihre Erfolge anzuerkennen oder überhaupt wahrzunehmen? Haben Sie Angst davor, dass jemand entdecken könnte, dass Sie vielleicht doch nicht so gut sind, wie alle denken? Selbst Klientinnen von mir , die offensichtlich beruflich und auch persönlich sehr erfolgreich sind, denken oft so. Sie haben verantwortungsvolle Positionen in der Wirtschaft, verdienen gutes Geld, haben nebenbei manchmal noch 3 Kinder großgezogen und engagieren sich ehrenamtlich. Trotzdem haben sie eine geringe Meinung von sich selbst.

Mutig zu sich selbst und den eigenen Fähigkeiten stehen, geht gar nicht! Eher melden sie sich zu dem 75. Seminar oder Kurs an, um noch besser zu werden. Damit sie dann vielleicht das Gefühl erlangen, es verdient zu haben, dort zu sein, wo sie sind. Selbstoptimierung wegen einem schwachen Selbstwertgefühl ist gerade bei Frauen besonders ausgeprägt. Da geht es weniger um spaßorientiertes lebenslanges  Lernen, sondern eher darum, endlich den Punkt zu erreichen, an dem man sich wertvoll fühlt.

Natürlich gibt es auch Männer, die unter einem Impostor-Syndrom leiden. Was jedoch in unterschiedlichen Studien schon bewiesen wurde ist, dass sich die Auswirkungen von Impostor-Gefühlen Geschlechtsbezogen anders zeigen. Ein Bereich in dem anscheinend mehr Frauen betroffen sind, scheint der akademische Bereich zu sein. Eine Theorie bezüglich der Ursachen dafür lautet, dass die Gesellschaft, bezogen auf Frauen, immer noch bestimmte Rollenerwartungen hat. Männer sollen kompetent und unvoreingenommen sein. Von Frauen hingegen wird immer noch erwartet, dass sie Liebenswürdigkeit und Sensibilität verkörpern sollen. Solche Attribute wie Hilfsbereitschaft, Einfühlungsvermögen, Freundschaftlichkeit und Kommunikationsfähigkeit werden immer noch primär Frauen zugeordnet. Um beruflich erfolgreich zu sein, benötigt man jedoch Eigenschaften wie Selbstvertrauen, Unabhängigkeit, Durchsetzungsvermögen und Durchsetzungsfähigkeit. Doch genau diese Attribute führen oft dazu, dass Frauen von ihrem Umfeld abgelehnt werden, ihre Leistungen in Frage gestellt werden. Dies führt zu einer starken innerlichen Ambivalenz, was Frauen wiederum an ihren eigenen Fähigkeiten zweifeln lässt. Frauen, die diese Grenze überschreiten sind oft geplagt von Schuldgefühlen. Dies führt zu negativen Selbstdialogen, die das eigene Selbstbewusstsein schädigen und somit das solide Fundament erodieren, welches Frau braucht, wenn sie mutig ihren eigenen Weg gehen möchte.

Zu viel Selbstkritik verhindert Erfolg

Frauen sind selbstkritische Wesen. Eigentlich sind sie generell kritisch mit fast allem und jedem, selten zufrieden, aber am kritischsten mit sich selbst. Das beginnt mit ihrem Aussehen, geht über das Gewicht und endet bei ihrer Intelligenz. Wie soll man da mutig zu seinen Erfolgen stehen, wenn man andauernd damit beschäftigt ist, was mit einem selbst nicht stimmt? Was Frauen brauchen ist mehr Eigenlob.

Schon 1996 schrieb die Bestseller-Autorin und Coach Sabine Asgodom das Buch: „Eigenlob stimmt, Erfolg durch Selbst-PR“. Eine Neuauflage des Buches erschien in 2018. Sie propagiert darin, dass es längst Zeit ist, das Frauen aufhören mit Bescheidenheit und die Einzigartigkeit entdecken, die in ihnen steckt.  Diese dann auch selbstbewusst einsetzen. Ein humorvoller Einstieg in das Thema Selbst-PR. Erschreckend finde ich persönlich nur, dass selbst nach über 20 Jahren, seit dem Erscheinen der ersten Auflage, sich bei deutschen Frauen so wenig bezüglich Eigen-PR getan hat. Immer noch wird ein selbstbewusstes Auftreten von vielen Frauen als negativ eingestuft, marktschreierisch oder als zu männlich.

Wenn man „Frauen und selbstbewusstes Auftreten“ bei Google eingibt, erhält man 697 000 Einträge! Und meistens geht es dabei um das Erlernen eines selbstbewussten Auftretens, da viele Frauen anscheinend Probleme damit haben. In der Berufswelt ist es aber ein Fakt, dass meistens die weiterkommen, die selbstbewusst auftreten und auch kein Problem damit haben über ihre Erfolge zu reden oder auch zu publizieren. Nicht die, die permanent an sich selbst zweifeln, immer nur fleißig vor sich hinarbeiten und ihre Erfolge herunterspielen.

Eine Studie der amerikanischen Psychologen Lewis Terman und Melita Oden belegt, dass Selbstzweifel die größten Hemmnisse darstellen für beruflichem Erfolg. Durch Beharrlichkeit,  Hartnäckigkeit und Kommunikation können langfristig Erfolge erzielt werden. Intelligenz und Talent spielen dabei auch  keine so große Rolle. Eine interessante Information für alle diejenigen, die glauben immer noch nicht gut genug zu sein.

Sechs Wege aus Selbstzweifeln

Achten Sie auf Ihre Worte: Sind Sie jemand, die dazu neigt ihre Erfolge klein zu machen? Der solche Sätze über die Lippen kommen wie: „Das ist doch mein Job; das war doch nichts; na ja, so toll war das jetzt auch nicht. “ Dann achten Sie in Zukunft darauf, wie Sie auf Anerkennung reagieren. Machen Sie Ihre Leistung  vor anderen und auch vor sich selbst nicht klein.

Lernen Lob anzunehmen: Am besten mit wenig Worten: „Danke, das freut mich.“ Leider können viele Frauen mit Lob genauso schwer umgehen wie mit Kritik. Sie spielen Lob herunter, sind peinlich berührt oder meinen erklären zu müssen, dass eigentlich nur die Umstände oder andere dazu beigetragen haben, dass sie diese Leistung erbracht haben. So ein Umgang mit Lob führt meistens dazu, dass man in Zukunft weniger Lob bekommt, da der andere genervt ist.

Notieren Sie Ihre Erfolge: Viele Frauen tendieren dazu ihren Blick mehr auf das Negative als das Positive zu lenken. Damit Ihre Erfolge nicht untergehen und Sie das, was Sie leisten nicht vergessen, führen Sie ein Erfolgstagebuch. Beenden Sie jeden Tag, in dem Sie in Ihrem Erfolgstagebuch festhalten, was Sie an diesem Tag erreicht haben:

  1. Was ist mir heute gut gelungen?
  2. Worauf darf ich heute stolz sein?
  3. Wem habe ich heute mit meiner Leistung geholfen?
  4. Welchen Beitrag habe ich heute für den Erfolg meiner Abteilung, meiner Familie oder meinen Freunden geleistet?

Hören Sie auf sich mit anderen zu vergleichen: Natürlich ist es gut Vorbilder zu haben, die einen anspornen oder motivieren etwas zu verändern. Das kann Ihnen Kraft und Energie geben. Negativ ist es, wenn Sie sich mit anderen vergleichen und das Gefühl haben, dabei immer den Kürzeren zu ziehen.

Seien Sie nicht immer harmoniebedürftig: Wer vor jeder Art von Konfrontation flieht, lässt auf ein fehlendes Selbstbewusstsein schließen. Für Außenstehende ist die Beobachtung einer solchen Situation manchmal gerade zu haarsträubend. „Wieso steht sie nicht zu ihrer Meinung?“ oder „Wieso lässt sie sich immer so schnell einschüchtern?“, sind dann typische Gedanken.

Mit  jemanden über die eigenen Ängste sprechen: Wenn Sie wirklich an einem Impostor-Syndrom leiden sollten, werden Sie Angst haben entdeckt zu werden. Deswegen kann es hilfreich sein, wenn Sie mit jemanden über Ihre Ängste sprechen. Sie sich sozusagen outen. Am besten mit jemanden, dem Sie vertrauen oder Sie suchen sich einen professionellen Gesprächspartner, wie eine Therapeutin oder einen Coach. Wahrscheinlich wird es für Sie schon eine Erleichterung darstellen, wenn Sie es nicht mehr geheim halten müssen.

(Dieser Artikel ist ein Auszug aus meinem neuen Buch „Lass‘ die Tigerin aus dem Käfig“. Erscheint im Spätsommer 2019)

Weitere Informationen zu dem Thema Impostor-Syndrom finden Sie hier:

Impostor-Syndrom: Hilfe, ich bin ein Hochstapler!

Halten Sie sich manchmal für einen Hochstapler?

Hochstapler-Syndrom, Impostor-Phänomen